header image
Home arrow Jugendsession arrow Jugendsession Archiv arrow Debattieren wie in der «Arena»
Debattieren wie in der «Arena»
Geschrieben von Tobias Angehrn   
14.05.2009

ST.GALLEN. Rund 70 Jugendliche trafen sich am Samstag im Regierungsgebäude zur Frühjahrssession im St. Galler Jugendparlament. Sie fordern unter anderem Stimmalter 16, mehr Mitsprache und ein verbilligtes öV-Angebot für Jugendliche.

Michael Hochreutener

Für einmal prägen nicht Anzüge und Krawatten, sondern Turnschuhe und Jeans die Kleiderordnung im Kantonsratssaal. Er gehörte am Samstag ganz dem St. Galler Jugendparlament. Die aktiv debattierenden Teilnehmer passen gar nicht zum Bild einer politikverdrossenen Jugend. Es gebe genauso viele Erwachsene, die nicht am politischen Leben teilhaben, meint Ruedi Lieberherr, Präsident des Jugendparlaments. «Schliesslich gibt es fast bei jeder Abstimmung mehr als 50 Prozent Nichtwähler.»

Minarett-Initiative

Nach der Eröffnungsrede und der Arbeit in einzelnen Workshops am Morgen wurden die Teilnehmer nach der Mittagspause für die verschiedenen Diskussionsrunden in Gruppen aufgeteilt. Das Thema «Minarette und Einführung der Sharia» zog mit Abstand am meisten Jugendliche an. Die beiden eingeladenen Kontrahenten konnten unterschiedlicher nicht sein.

Auf der einen Seite stand mit SVP-Nationalrat Lukas Reimann, Mitinitiant der Minarett-Initiative, einer der heftigsten Kritiker des Islam auf dem Podium. Auf der anderen Seite mit dem zum Islam übergetretenen Bündner Oscar Bergamin ein Direktbetroffener. Die einzelnen Voten der Jugendlichen bewiesen, wie spannungsgeladen die Auseinandersetzung mit dem Islam momentan ist.

Forderungen an den Kanton

Nach den einzelnen Diskussionsrunden traf sich das Parlament wieder im Kantonsratssaal zur Debatte über den Forderungskatalog. Ähnlich wie die Kommissionen in «echten» Parlamenten vertraten die Teilnehmer der einzelnen Workshops ihre ausgearbeiteten Themen im Plenum.

Am heftigsten und längsten wurde über das Abstimmungspaket zur Jugendarbeitslosigkeit debattiert.

Umstritten war vor allem jener Artikel, der von Firmen fordern würde, alle ihre ausgelernten Lehrlinge mit finanzieller Unterstützung des Kantons für zwei Jahre weiterzubeschäftigen. Zeitweise war die Stimmung ähnlich der «Arena» im Schweizer Fernsehen. So argumentierte ein Jugendlicher salopp: «Dieser Artikel ist abzulehnen, weil er eine absolut linke Sache ist.» Dafür erntet er auf der einen Seite Applaus, auf der anderen Empörung und mitleidige Lacher. Doch die kritischen Voten hatten ihre Wirkung.

Die vom Workshop «Jugendarbeitslosigkeit» erarbeiteten Forderungen wurden in der Abstimmung abgelehnt.

Nach den langen und lebhaften Debatten ergab sich schliesslich der Forderungskatalog. Die Jugendlichen verlangen ein überarbeitetes Jugendgesetz für mehr Mitspracherecht in den Gemeinden, ein verbessertes öV-Angebot, Stimmalter 16 sowie eine Vereinfachung der Abstimmungsbroschüre.

Vorstösse im Kantonsrat?

Bereits seit längerem wird über eine Ausweitung des Mitspracherechts des Jugendparlaments diskutiert. Der Vorstand verfolgt das Projekt eines Jugendrats, der im Kantonsparlament Vorstösse einreichen könnte. Es gab bereits Gespräche mit Vertretern von Regierung, Parlament und Verwaltung. «Wir müssen aber noch daran arbeiten», meint Ruedi Lieberherr.

Ob mit oder ohne Vorstösse: Die Jugendsession hat bewiesen, dass sich viele Jugendliche bereits differenziert mit dem politischen Geschehen auseinandersetzen.

 

Newsletter
August 2010 September 2010 October 2010
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Week 35 1 2 3 4 5
Week 36 6 7 8 9 10 11 12
Week 37 13 14 15 16 17 18 19
Week 38 20 21 22 23 24 25 26
Week 39 27 28 29 30