Rund 70 Jugendliche trafen sich am Samstag im Regierungsgebäude zur 20. Ostschweizer Jugendsession. Cristina Steinmann, Daniela Koller und Stefan Chan sind im Vorstand des Vereins Jugendparlament St. Gallen.
Andrea Brülisauer
Am Samstag fand in St. Gallen die 20. Jugendsession Ostschweiz statt (Wiler Zeitung vom 11. Mai 2009). Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 26 Jahren nahmen an Workshops und Diskussionen zu Themen wie der Ausschaffungs-Initiative, der Rolle der Schweiz im 21. Jahrhundert oder der Freien Schulwahl teil. Mit von der Partie waren auch Cristina Steinmann aus Zuckenriet, Daniela Koller aus Rossrüti und Stefan Chan aus Uzwil. Alle drei sind Vorstandsmitglieder des Vereins Jugendparlament St.Gallen. Dessen Motto «Politik ist kein Hobby einer Minderheit, sie geht auch dich etwas an», hat sich die 24-jährige Daniela Koller, die an der Universität Zürich Politikwissenschaft und Geschichte studiert, zu Herzen genommen. «Ich finde es wichtig, dass alle die Möglichkeit erhalten, sich darüber zu äussern, was in und mit unserem Land, Kanton und unserer Gemeinde passiert», erklärt sie.
Durch die Arbeit im Jugendparlament wolle sie sich dafür einsetzen, dass «die Generation der Zukunft schon jetzt mitreden und -bestimmen kann».
Neue Leute kennenlernen
Für die 19-jährige Cristina Steinmann ist es wichtig, dass sie sich politisch engagieren kann. «Man lernt sehr viel fürs Leben», sagt sie, und dass sie bei den Sessionen auch noch interessante Leute kennenlernt, macht das politische Engagement für sie noch attraktiver. Dieser Meinung ist auch der 20-jährige Stefan Chan.
Jugendliche sollen die Chance erhalten, ihre eigene Zukunft mitzugestalten. «Es nützt nichts, über politische Missstände zu meckern und die Faust im Sack zu machen», erklärt er. In einem Bürgerstaat brauche die Politik alle Bürgerinnen und Bürger, «sonst wird die Schweiz irgendwann einmal in einer Oligarchie oder sogar in einem Führerstaat enden», befürchtet er.
Wie der HSG-Student berichtet, seien die Themen Jugendarbeitslosigkeit und -kriminalität am heftigsten diskutiert worden, «weil die Jugendlichen auch selber davon betroffen sind», erläutert er. Stefan Chan moderierte die Diskussion «Staatshilfe für Unternehmen», an der die Kantonsräte Marc Mächler (FDP), Roland Rino Büchel (SVP) und Ludwig Altenburger (SP) als Gäste begrüsst werden konnten. «Die Teilnehmer waren sehr interessiert und haben engagiert mitdiskutiert», freut sich Stefan Chan.
Viele Jugendliche würden die Rezession hautnah erleben und hätten ihre Erfahrungen in die Diskussion eingebracht. «Als Liberaler bin ich grundsätzlich gegen Staatsintervention», erklärt der Uzwiler seine Ansicht zum Diskussionsthema, «ausser wenn es sich um systemrelevante Unternehmen handelt.»
Cristina Steinmann absolviert eine Lehre als Kaufmännische Angestellte und befindet sich im dritten Lehrjahr. Sie nahm am Samstag an der Diskussion zum Thema «Freie Schulwahl» statt.
«Ich bin gegen die Einführung der freien Schulwahl», hält sie ihren Standpunkt fest und begründet: «Meines Erachtens würde dies zu einer Ghettoisierung führen. Das heutige System ist gut.» Da Daniela Koller für die Organisation der Jugendsession verantwortlich zeichnet, konnte sie selber nicht mitdiskutieren. Sie hatte vor allem im Vorfeld einiges in die Wege zu leiten und war am Tag der Session für verschiedene organisatorische Belange wie den reibungslosen Ablauf oder den Empfang der Gäste zuständig.
Diskutieren – und wer hört zu?
Jugendliche sollen mitreden und mitgestalten können. Stellt sich nur die Frage, inwiefern die Anliegen der Jugend in die Erwachsenen-Politik einfliesst? «In den Workshops werden themenspezifische Forderungen ausgearbeitet, über die im Plenum am Ende der Jugendsession abgestimmt wird», erklärt Daniela Koller. «In der Kommission des Jugendparlaments werden diese Forderungen dann weiterverfolgt und – wenn möglich – umgesetzt.
Zudem stehen wir in Kontakt mit Vertretern der Kantonsregierung und des Kantonsrates, denen wir unsere Anliegen weiterleiten.» Auf dem Forderungskatalog der Jugendlichen wurden folgende Anliegen festgehalten: ein überarbeitetes Jugendgesetz für mehr Mitspracherecht in den Gemeinden, ein verbessertes Angebot des öffentlichen Verkehrs, Stimmalter 16 und eine Vereinfachung der Abstimmungsbroschüre.